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       Reisebericht TUNESIEN 1999
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Copyright: Heinrich Huber, Mödling

Reisebericht TUNESIEN 1999


Am Freitag den 1.10.1999 verabschiede ich mich am Bahnhof Mödling von meiner Frau und fahre gemütlich Richtung Süden. Anfangs begleitet mich leichter Regen aber bald scheint die Sonne und die Reise wird zu einem waren Vergnügen. Zuerst die Kärntner Seen, dann die schöne Berglandschaft mit vielen Tunnels. In Italien wird es dann flacher und ich komme flott voran. Lediglich bei Venedig ist etwas mehr Verkehr. Im ruhigen Motel La Bollina bei Serravalle Serivia übernachte ich und fahre dann, da ich genügend Zeit habe, auf extrem kurvenreicher Landstraße nach Genua. Mein GPS zeigt 906 gefahrene KM, max. 141 km/h und im Schnitt 96 km/h.

Resümee: gemütlich in 10 Stunden von Wien nach Genua.

In Genua ist das große 6 eckige Hochhaus und der dünne Turm ein guter Anhaltspunkt. Beide befinden sich westlich der Anlegestelle. Die Beschilderung zur "Ferry Tunisia" ist ausreichend. Um 1215 treffe ich die anderen Reiseteilnehmer und wir verstecken die Funkgeräte. Um 1500 kommt die CARTHAGE und 2 Stunden später ist das Schiff entladen. 45 Minuten später beziehe ich meine Einzelkabine mit großem Fenster. Ruhige Überfahrt, gutes Essen, pünktliche Ankunft. Leider sind in "La Goulett" beide Anlegeplätze belegt und wir müssen warten. Knapp nach Sonnenuntergang habe ich den Zoll hinter mir und eine halbe Stunde später sind wir im Hotel Le Palace in Gammarth.

Am Montag den 4.10 fahren wir entlang der römischen Wasserleitung Richtung SW, besuchen ein verlassenes "Berber" Dorf und nächtigen im eigenen Auto am Bauernhof bei Mouldis (unser Führer) Brüdern. Die 500 Km nach Mides fahren wir vorwiegend auf schönen Asphaltstraßen (64KmH Schnitt, Max 141). Auch die als Piste eingezeichneten Straßen sind seit heuer Asphaltiert. In der Schlucht von Mides, eine beliebte Filmszenerie, lerne ich einige Heilkräuter, wie z.B. das Blatt des Kapernstrauches gegen Kopfweh, kennen.

Ungern verlasse ich diesen schönen, grünen Oasenplatz - aber auch die Durchquerung des großen Salzsees (Chott El Jerid) ist ein großes Erlebnis - vorausgesetzt man hat genügend Vorstellungskraft wie der Salzsee zu Karl May's Zeiten (durch die Wüste) ausgesehen hat. Von der Asphaltstraße aus kann man noch die Markierungsstangen der alten Piste sehen.

Die nächste Nacht sind wir in einer Oase welche für die schweren Toyota und für den Defender schwierig zu erreichen war. Auch mit 1.5 Bar Reifendruck (für Sand relativ viel) hatte ich im J9 keine Probleme. Wir besuchen die Sandrosenfelder und üben das Dünenfahren.

Am Donnerstag den 7.10. können wir uns im Thermalhotel in Douz nochmals den Sand abspülen. Bevor es nun für 5 Tage in die Wüste geht kaufen wir Lebensmittel und füllen unsere Dieselkanister auf. Gegen Mittag erreichen wir dann einen Brunnen wo wir unsere Wasservorräte (mindestens 20 Liter pro Person) ergänzen.

Die erste Nacht im 1000 Sterne Hotel war überwältigend - leider habe ich fast alles verschlafen. Der Sand wird immer lockerer und wir bleiben oft stecken, erst nachdem ich meinen Reifendruck auf 1.1 Bar verringere fahre ich wie auf Schienen und bleibe nur noch bei zu zaghafter fahrweise stecken. Meist kann ich mich selbst befreien (Untersetzung und 1. Gang einlegen, aussteigen und schieben). Am 11.10 fahren wir im Morgengrauen los, um den durch Tau feuchten Sand zu nützen und erreichen unser Nachtlager erst bei Dunkelheit. Der nächste Tag wird noch länger, die Pausen sind gestrichen, da es ja sowieso genügen Pausen durch festsitzende Autos gibt. Ich habe aber genügend Zeit mir Kaffee zu brauen und köstliche Kleinigkeiten zu kochen. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir wieder einmal den Kamm einer Düne und - kaum einer glaubt noch daran - wir sehen das grüne Tal und erahnen in der Ferne die "Pipeline- Piste".

Ich fahre wie immer als "Lumpensammler", per Funk frage ich die anderen warum sie nicht weiterfahren. Als Antwort bekomme ich, daß sie unseren Führer nicht finden können. Plötzlich sehe ich auf der rechten Seite Sand wehen und entdecke unseren Führer hinter einer Düne. Er hat mit letzter Kraft ein Lebenszeichen gegeben. Sofort alarmiere ich die Anderen und wir bringen Sachraui Wasser und Traubenzucker. Er ist völlig erschöpft und wir nutzen die Zeit unsere Reifen etwas aufzupumpen. Nun ist es schon völlig finster und wir haben noch einen langen Weg bis Kasar Ghilane. Wir meistern aber diese mit Büschen und kleinen Sanddünen übersäte Ebene leicht und erreichen um 2000 Uhr unser Ziel. Ich parke wie immer NNO, aber diesmal unter Bäumen. Nun wird groß aufgekocht und im warmen Thermalsee von Kasar Ghilane waschen wir uns den Sand vom Leib.

Nach einem gemütlichen Frühstück und nachdem ich meine 40 Liter Reservediesel nachgefüllt habe (Tanken in Kasar Ghilane ist sehr teuer) fahren wir auf der Pipelinepiste Richtung Norden. Ich fahre diesmal als erster, da der J9 mit 70-80 km/h auf dieser Waschbrett- Piste wie auf einer Autobahn dahin gleitet. Von Zeit zu Zeit warte ich auf die Anderen.

Noch am frühen Nachmittag erreichen wir Mahres (südlich SFAX) wo wir am Strand unser Nachtlager aufschlagen und noch ein schönes Bad im warmen Mittelmeer nehmen. Ein Freund von Mouldi (Tierarzt) grillt für uns Fisch und seine Frau bereitet herrliche Vorspeisen und Salate. Am nächsten Tag, es ist Donnerstag der 14.10.1999, fahren wir wieder nach Gammarth und geniesen zum letzten mal das schöne Hotel Le Palace. Am Morgen schwimme ich nochmals im Mittelmeer und im gepflegten Pool. Gegen Mittag fahren wir zum Hafen.

Für die Ausreise beschriften wir einen weißen Karton mit unseren Fahrzeugdaten, legen den Einreisezettel und den grünen Fahrzeugschein, welchen wir bei der Einreise bekamen, dazu und warten auf die Einschiffung. In der Nacht war angeblich ein schweres Gewitter - ich hab's verschlafen. Am Samstag den 16.10 legt das Schiff um 1400 Uhr in Genua an und um 1605 habe ich den Zoll hinter mir. Nach 7 Stunden und 23 Minuten komme ich noch vor Mitternacht wohlbehalten in Mödling an (945 Km, 128 km/h Schnitt, max. 169 KmH).

Die Reise in Stichworten:

Reisezeit : Anfang Oktober 1999
Tagestemperatur Tunesien : 30-35°
Nachttemperatur : ca. 15°
Regen : nicht bei uns (nur im Norden)
Dieselpreis in Österreich : 9,38 ATS
Italien : 10,77 ATS
Tunesien : 3,84 ATS
Dieselverbrauch Anreise : 12,20 L/100Km
Landstraßen: 9,02 L/100Km
Dünen : 25,00 L/100Km (ca.)
Dünen/Piste: 18,49 L/100Km
Heimreise : 16,82 L/100Km
Schnitt : 12,53 L/100Km
Gesamt KM : 3.509 Km
Ölverbrauch : 0
Luftfilter : 1
Ölwechsel : 1
Kosten : 1330 EURO (3xHotel- HP, Schiff- VP, 1 Abendessen)
Trinken&Tanken in Tunesien : 153 EURO
Diesel & Autob.Geb. Anreise: 200 EURO


Mail an Autor: Heinrich.Huber@huweb.net    
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